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Grundsätze und Beispiele für Trocknungskonfigurationen

Grundsätze der Trocknerkonfiguration:

Art, Anzahl und Anordnung einzuplanender Trocknungsmodule ist abhängig von der Druckmaschine selbst (Maschinenformat, Druckwerke und Auslagenlänge), von der erwünschten Flexibilität hinsichtlich anzuwendender Farbqualitäten sowie von den vorgesehenen Druckaufgaben. Trotz der hohen Vielfalt gibt es einige Grundsätze für die Planung der Trocknungstechnik.

 
Grundsätze bei UV-härtende Farben und Lacken:

  • Beim UV-Farbdruck ist nach jedem zweiten bis maximal dritten Farbwerk ein einstrahliger UV-Zwischentrockner (UV-i) vorzusehen sowie nach dem letzten Lackwerk ein zwei- bis dreistrahliger Endtrockner (UV-f).
  • Deckweiß und pigmentierte bzw. metallische Sonderfarben erfordern ein zusätzliches UV-Trocknungsmodul pro Farbwerk.
  • Flexibilität wird mittels UV-Wechselpositionen (Dockingstations DS) für das Austauschen der UV-Module zwischen den Druckwerken untereinander erreicht – sowie durch Wechselkassetten, die ein Austauschen von UV mit IR-Heißlufttrocknungsmodulen bei der Endtrocknung erlauben. Eine Faustformel ist, für jeweils zwei Farben einen UV-Strahler vorzusehen und an die restlichen Farbwerke Dockingstations. Damit kann dann in dem Druckwerk, in dem der höhere Farbanteil gefahren wird, gezielt der UV-Zwischentrockner eingesetzt werden – denn je höher die Farbeschicht ist, desto geringer ist die Durchdringung bis in die Tiefe.
  • Die erforderliche Lampenleistung ist auch abhängig von der Druckmaschinengeschwindigkeit. Bei UV-Lampen liegt sie meist zwischen 160 bis 200 Watt Maximalleistung.
  • UV-Lack direkt auf konventioneller Farbe aufgetragen erfordert unbedingt das vollständige Aushärten der Druckfarbe, was eigentlich nur im Offline-Verfahren möglich ist (Problem Draw-back-Effekt). Abhilfe im Inline-Verfahren schafft ein Primer-Lackauftrag als Trennschicht, der seinerseits mit Heißluft getrocknet werden muss.
  • Das Vorschalten von IR-Wärme bei der UV-Endtrocknung verbessert den Lackverlauf und in saugenden Drucksubstraten das Wegschlagverhalten im Drucksubstrat.

 
Grundsätze bei ölbasierten Farben und Dispersionslacken:

  • Die Trocknung konventioneller Farben wird durch IR-Wärme aufgrund der verbesserten Sauerstoffaufnahme und des verbesserten Farbflusses und Wegschlagverhaltens beschleunigt.
  • Dispersionslacke werden mit viel Heißluft getrocknet, dabei darf der Bogenlauf nicht beeinträchtigt werden.
  • Meist werden Heißluft- und IR-Trocknungsmodule kombiniert, zum einem für die Farbtrocknung, zum anderen um bei Dispersionslacken den Wasseranteil an die Oberfläche zu bringen, wo er mittels Heißluft „abgeschält“ wird (Rakeleffekt). Durch eine bauliche Kombination der Einbaumodule kann zudem die Heißluft die noch heißeren IR-Lampen abkühlen – ein wirtschaftlicher Nebeneffekt.

 

Typische Trocknerkonfigurationen:

Bezeichnungen: UV-i: UV-Zwischentrockner, UV-f: UV-Endtrockner,
DS: Dockingstation, C: Farbwerk, L: Lackwerk, W: Deckweiß


Kleiner Klassiker: 4-Farbdruck (4C), konventionell und UV

Tiefe (UV-i), Cyan (DS), Magenta (UV-i), Yellow (DS), Endtrockner IR und dreistrahliger UV-f

Klassische Variante: 4-Farbenmaschinen ohne Lackapplikation bei der wahlweise konventionelle oder UV-Farben eingesetzt werden, weshalb nur ein IR-Trockner und ein dreistrahliger UV-Endtrockner erforderlich sind.

 
Kleiner Veredlungskünstler:
4-Farbdruck mit Sonderfarbe Lack (5C+L), auch für Drip-off

Tiefe (UV-i), Cyan (DS), Magenta (UV-i), Yellow (DS), Sonderfarbe (UV-i), Lack, Endtrockner IR-Heißluft und dreistrahliger UV-f.

Wie bei der reinen 4-Farbmaschine, jedoch mit einem zusätzlichen UV-i für die Sonderfarbe, die häufig stark pigmentiert oder mit Metallplättchen versehen ist und deshalb separat gehärtet werden muss. Diese Maschinenkonfiguration kann auch alternativ für die Drip-off bzw. Matt-Glanz-Technik verwendet werden, statt fünfter Farbe wird Öllack eingesetzt.

 
Flexibler Alleskönner: 4-Farbdruck mit zwei Sonderfarben und Doppellack (6C+L+T+T+L)

Tiefe (UV-i), Cyan (DS), Magenta (UV-i), Yellow (DS), Sonderfarbe (DS), Sonderfarbe (UV-i), Lack, (für Primer oder UV), zwei Trocknertürme mit IR-Heißluft und ggf. UV, Lack, Endtrockner mit IR-Heißluft und dreistrahliger UV-f

Wie bei der 4-Farbmaschine mit einer Sonderfarbe, jedoch wird zwischen den Lackwerken ein zusätzlicher IR-Heißluft bzw. UV eingebaut. Maximale Flexibilität, hohe Glanzpunkte, Doppellackturm für Primer und (UV-) Lack für besonders glanzintensives Inline-Verfahren.


Karton- und Folienspezialist: 4-Farbdruck mit doppeltem vorgeschalteten Deckweißauftrag und Lack (W+W+4C+L, entspricht 6C+L)

Deckweiß (UV-i), Deckweiß (UV-i), Tiefe (UV-i), Cyan (DS), Magenta (DS), Yellow (UV-i), Lackund dreistrahliger UV-f

Reiner UV-Druck, notwendig ist es, nach jeder Deckweißapplikation einen UV Zwischentrockner einzusetzen. Bei nur einem Farbwerk müsste je nach Anwendungsfall, die Deckweißschichtdicke manchmal zu hoch gefahren werden, deshalb gibt es Varianten mit einem oder zwei Deckweiß-Farbwerken, die zum Einsatz kommen zur Vereinheitlichung der Papierfarbe (speziell bei Kartonagen), bei Folien oder Aluminium kaschierten Kartons.